Farbstoffe in Naturkosmetik

Erfahren Sie jetzt, welche Farbstoffe in konventioneller Kosmetik vorkommen, warum diese schädlich sind und welche Alternativen die Naturkosmetik zu bieten hat.


Um Farbstoffe in Kosmetik kommt man kaum herum. Egal ob in Haarfarben, Cremes, Duschgelen oder jeglicher dekorativer Kosmetik, in vielen Produkten finden sich die färbenden Hilfsmittel. Farbstoffe sind deshalb ein aktuelles Thema, weil sie zunehmend im Verdacht stehen krebserregend zu sein. Neben Silikonen, synthetischen Konservierungs- und Duftstoffen sind synthetische Farbstoffe ein Grund für Viele zur Naturkosmetik zu wechseln. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen erklären, warum synthetische Farbstoffe problematisch sind und welche natürlichen Alternativen in der Naturkosmetik zum Einsatz kommen.


Farbstoffe in konventioneller Kosmetik

Die moderne Forschung und bunte Farbkästen aus der Chemie machen es möglich, dass heutzutage unendlich viele Farben, eine bunter als die andere, zur Herstellung von Kosmetik benutzt werden können. Auf den INCI-Listen von Produkten (Liste der Inhaltsstoffe) lassen sich Farbstoffe ganz einfach an ihrer CI-Nummer erkennen (CI= Colour Index). Allerdings sind viele der bunten Farbstoffe nur für den kurzzeitigen Kontakt mit der Haut gedacht, was problematisch ist, denn gerade dekorative Kosmetik ist schnell mal einen ganzen Tag auf der Haut.

Die größte Gruppe der synthetischen Farbstoffe bilden die Azofarbstoffe (Teerfarbstoffe). Sie machen rund die Hälfte der rund 4000 zugelassenen Farbstoffe für Kosmetika aus. Mit ihnen lassen sich besonders schön die leuchtenden Farbtöne aus der dekorativen Kosmetik herstellen.

Azofarbstoffe

Der Ausgangsstoff für Azofarbstoffe ist das Erdölprodukt Anilin, das im Verdacht steht krebserregend zu sein.  Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sagt, dass Anilin giftig ist bei Verschlucken und Hautkontakt. Außerdem kann es schwere Augenschäden und vermutlich auch genetische Defekte verursachen und Krebs erzeugen. 500 der zugelassenen Azofarbstoffe, die in Kosmetik zugelassen sind, sind in der Lage Anilin abzuspalten. Das geschieht hauptsächlich im Darm, in der Leber und auch der Haut. Doch was macht Anilin eigentlich so gefährlich? Ganz einfach: Es sorgt dafür, dass der Sauerstofftransport im Blut eingeschränkt wird, indem der rote Blutfarbstoff Hämoglobin oxidiert wird. Desweiteren können Azofarbstoffe die Leber angreifen und sogar erbgutschädigend wirken. Kommen Kinder häufig mit Azofarbstoffen in Kontakt, kann dies zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen führen. Sogar Allergien und Pseudoallergien können durch Kosmetika mit Azofarbstoffen begünstigt werden. Diese Allergien können zu Hautreizungen und einem Anschwellen der Schleimhäute führen.

Halogenorganische Farben

Neben den Azofarbstoffen kommen in konventioneller Kosmetik Farben aus halogenorganischen Verbindungen vor. Diese Verbindungen sind nicht nur in Farbstoffen umstritten sondern auch in synthetischen Konservierungsstoffen. Auch wenn nur geringe Mengen dieser Verbindungen in den Körper gelangen, können halogenorganische Farben Allergien auslösen, da in der Regel mehrere Kosmetikprodukte verwendet werden, deren Inhaltsstoffe dann einen gefährlichen Wirkstoffcocktail auf der Haut hinterlassen können. Verschiedene Farbstoffe und andere Inhaltsstoffe reichern sich auf Dauer im Körper an und reagieren auf noch unbekannte Weise miteinander.

Konventionelle Haarfarben

Etwa 70% aller Frauen färben sich regelmäßig die Haare. Egal ob Blond, Braun, Rot oder Schwarz - schöne leuchtende Farben gehören zu den beliebtesten Kosmetikprodukten. Dabei sind die Inhaltsstoffe konventioneller Haarfarben nicht unbedenklich.  Gerade die Farbstoffe stehen im Verdacht bei dauerhafter Anwendung krebserregend zu wirken. Studien zu dem Thema konnten signifikante Zusammenhänge zwischen regelmäßigen Haarefärben und Brust- sowie Eierstockkrebs feststellen. Frauen, die in den letzten 6 Monaten der Schwangerschaft färben, haben ein erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Das Risiko hierfür liegt aber bei Tönungen höher als bei dauerhaften Haarfarben. Mütter, die in der Stillzeit Haare färben mit konventionellen Produkten, steigern das Risiko, dass sich bei Ihrem Kind Keimtumorzellen bilden. Dabei ist das Risiko bei Mädchen höher als bei Jungs.

Ein besonders kritischer Inhaltsstoff von konventionellen Haarfarben ist Ammoniak. Dieser sorgt beim Färben dafür, dass die tannenzapfenartige Struktur der Haare aufgebrochen wird, damit die Farbstoffe in die Tiefen der Haare eindringen kann. Bei dauerhafter Anwendung wird die Struktur der Haare so stark geschädigt, dass die Haare letztendlich spröde werden und abbrechen. Silikonhaltige Shampoos und Spülungen lassen die Haare nach dem Färben zwar auf den ersten Blick wieder gesund aussehen, überdecken die Schäden aber nur oberflächlich ohne das Haar wirklich zu pflegen. Näheres dazu, können Sie in unserem Beitrag zu Silikon in Kosmetik nachlesen. 

Weitere kritische Inhaltsstoffe in Haarfarben sind: 6-Amino-m-Cresol, Phenylendiamin, Resorcinol und Phenacetin.


Was verleiht Naturkosmetik die Farbe?

Naturkosmetik verzichtet auf all diese gefährlichen Inhaltsstoffe und greift auf Rohstoffe aus der Natur zurück. Sobald Sie ein Naturkosmetik-Siegel auf einem Produkt sehen, können Sie sicher sein, dass keinerlei synthetischen Farbstoffe enthalten sind. Farbstoffe, die für Naturkosmetik zugelassen sind, kommen hauptsächlich aus Pflanzen, Mineralien und der Erde, wobei Erdfarben aus fein gemahlener farbiger Erde bestehen. Für gelbliche, rötliche und bräunliche Schattierungen, wie sie in Ocker und Umbra vorkommen, sind Eisenoxide verantwortlich, die in unterschiedlicher Konzentration in der Erde vorkommen können.

Natürliche Farbstoffe aus Mineralien stammen aus mineralischen Pigmenten, bei denen es sich um chemische Verbindungen von Zink, Kupfer oder Mangan handelt. Diese werden aus Erzgesteinen gewonnen und sind in geringen Mengen unbedenklich. Mittlerweile werden die Pigmente aus Mineralien chemisch aufbereitet und gereinigt, weil aus der Natur abgebaute Gesteine mit Schwermetallen belastet sein können. Die gereinigten Farbpigmente werden als naturrein bezeichnet und zeichnen sich durch ihre Reinheit, Verträglichkeit und hohe Farbkraft aus. Genau wie die synthetischen Farbstoffe lassen sich auch natürliche und naturidentische Farbstoffe anhand ihrer CI-Nummern auf der Zutatenliste sehr leicht identifizieren.

Glitzer- bzw. Schimmerpartikel in natürlichen Farbstoffen stammen aus dem fein geriebenen und glitzernden Gestein Glimmer bzw. Mica. In Lidschatten kommt oft Silberoxid zum Einsatz, der das Licht reflektiert und so Ihre Augen strahlen lässt.

Natürliche Farbstoffe tierischen Ursprungs

Ein knallroter Lippenstift gehört in jedes Schminktäschchen und verleiht jedem Look das besondere Etwas. Doch viele Veganerinnen stellen diesen beim EInkauf wieder zurück ins Regal, weil sie einen Blick auf die INCI-Liste geworfen haben. Denn für ein sattes Rot ist oft der Farbstoff Karmin-Rot verantwortlich. Karmin-Rot taucht als Farbstoff mit der Nummer CI 75470 in INCI-Listen auf. Er wird aus getrockneten Cochenille-Läusen gewonnen. Für vegane Alternativen wird oft Rote-Beete Extrakt zurückgegriffen, der allerdings kein so intensives Farbergebnis garantieren kann. 

Natürliche Haarfarben

Pflanzenhaarfarben kommen ganz ohne synthetische Farbstoffe aus. Der wichtigste Bestandteil pflanzlicher Haarfarben ist Henna. Henna wird aus den getrockneten und gemahlenen Blättern des Henna-Strauches gewonnen. Reines Henna verleiht Ihren Haaren eine Rot-Orange Farbe. Für ein breiteres Farbspektrum wird Henna in verschiedenen Mischverhältnissen mit weiteren Farben gemischt. Walnussschalen und Kaffee lassen die Haarfarbe ins Braune gehen, Kurkuma färbt Gelb und mit Rote-Beete Extrakt lassen sich noch weitere Rot-Nuancen zaubern. Um einen dunkleren Farbton zu erhalten, kommt das schwarz-blaue Indigo zum Einsatz.